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13 Mrz Interview mit Kai-Nicolas Steimer

Der Hamburger Schiffbaustudent Kai-Nicolas Steimer gilt als einer der besten Stand Up Paddler Deutschlands, der sich regelmäßig auf nationalem und internationalem Parkett mit den besten SUPlern der Welt misst. Momentan befindet sich der 24-Jährige auf Fuerteventura, wo er sich akribisch auf die kommende SUP World Series vorbereitet. Wir haben eine kurze Trainingspause genutzt und mit Steimer über seine Vorbereitung, sein Motto und seine Konkurrenz gesprochen.

Hallo Kai, wie geht’s?

Hey, super. Ich kann nicht klagen.

Wir haben gehört, dass Du in diesem Jahr an der kompletten World Series teilnehmen willst. Stimmt das?

Naja, so ganz stimmt das nicht. Natürlich trainiere ich, um in der World Series Fuß zu fassen. Da die Stops der World Series jedoch über die ganze Welt verstreut liegen, spielt der Geldbeutel bei solchen Entscheidungen immer eine große Rolle. Deshalb habe ich vorerst nur die europäischen Events der World Series ins Auge gefasst. Sollte mein Wintertraining aber Früchte tragen, sieht man mich eventuell auch auf Events außerhalb Europas.

Wie sieht dein Wintertraining aus?

Da auf Fuerteventura angenehme Temperaturen herrschen, trainiere ich fast jeden Tag. So kann ich mich optimal auf die kommende Saison vorbereiten.

Kai-Nicolas Steimer

Kai-Nicolas Steimer Fotograf: Gwen Marche

 

Verfolgst Du dabei einen genauen Trainingsplan, oder trainierst Du eher „frei Schnauze“?

Ich habe mir für das Training einen genauen Plan anfertigen lassen, der auf mich und meinen momentanen Trainingsstand angepasst ist. Es ist eine ausgewogene Mischung aus Paddeln, Landtraining und Krafttraining. Wenn es passt, erweitere ich den Plan noch durch SUP-Surfen oder Windsurfen.

Gibt es dabei einen Unterschied zu deiner Saisonvorbereitung im letzten Jahr?

Ein großer Unterschied im Vergleich zu den letzten Jahren ist schon mal meine Trainingsumgebung. Durch die wärmeren Bedingungen und dadurch, dass ich nicht mehr so oft zur Uni muss, konnte ich die Zahl meiner Trainingstage erhöhen. Ein weiterer Unterschied ist, dass ich mich in diesem Jahr effizienter auf die Höhepunkte meiner Saison vorbereite.

Klingt nach einem straffen Programm. Was hast Du dir für das Jahr 2015 vorgenommen?

Vorrangig will ich bei allen nationalen Events, wie Meisterschaften und wichtigen Ranglistenwettbewerben dabei sein und natürlich stehen auch die beiden großen internationalen Events in Deutschland ganz oben auf meiner Liste. Den Rest der Saison werde ich mit europäischen Events füllen. Je nach Termin und meiner Trainingssituation.

Regelmäßiges Training, Wettkämpfe und die Reisen zu den Wettbewerben. Das kostet viel Zeit. Wie verträgt sich das mit deinem Schiffbau Studium?

Naja, einigermaßen muss man wohl sagen. Leider ist es unmöglich, sowohl im Sport, als auch im Studium 100% zu leisten. Deshalb ist es wichtig einen gesunden Mittelweg zu finden, in was man wann wie viel investiert. Zum Glück habe ich schon meinen Bachelor in der Tasche, was die Sache etwas entspannter macht. Momentan bin ich gerade dabei meinen Master zu machen, um einen vollwertigen Abschluss zu haben. Das Studium habe ich mir aber so eingeteilt, dass ich noch genügend Zeit für den Sport finde.

Reden wir mal ein wenig über die SUP World Series. Wie Du sicherlich mitbekommen hast, hat Kai Lenny seinen WM-Titel im Race an Conner Baxter abtreten müssen. Meinst Du, dass sich Lenny den Titel zurückholen kann?

Tja, das ist eine gute Frage. Ein ist klar, jeder der Beiden hat seine Stärken und kann diese auch in verschiedenen Rennen nutzen, aber am Ende kommt es wahrscheinlich darauf an, wer die besseren Nerven hat. Genau wissen werden wir es wohl erst Ende des Jahres.

Das Ziel Champion zu werden, haben sicherlich beide. Was sind deine Ziele für die kommende World Season?

Mein Ziel ist es auf jeden Fall, meine Ergebnisse vom letzten Jahr zu toppen.

Dein Motto dabei lautet: „Not the others are your rivals; your mind is the rival to beat“?!

Genau. Wie der Spruch schon sagt, versuche ich mich im Rennen so oft wie möglich selber zu schlagen und bis in das Ziel alles zu geben, bis ich nicht mehr kann.

Eine professionelle Einstellung. Mittlerweile stehen ja fünf der Stops World Series fest. Auf welchen Stop freust Du dich besonders und welchen hältst Du für am anspruchsvollsten?

Ich freue mich am meisten auf den World Cup auf Fehmarn, weil es der einzige World Cup in Deutschland ist und es nichts Besseres gibt, als vor heimischem Publikum zu paddeln.

Ich denke, dass Turtle Bay und Huntington Beach die zwei anspruchsvollsten Stops sind.

Steimer vor der Küste Fehmarns

Steimer vor der Küste Fehmarns

Warum?

Turtle Bay kann mit riesigen Wellen aufwarten und Huntington Beach kann einen mörderischen Shorebreak aufbauen. Dies sind beides Bedingungen, die viel Können und Geschick verlangen. Dadurch sind sie technisch sehr anspruchsvoll.

Noelani Sach ist einige der wenigen Deutschen, die schon beim Finale an der Turtle Bay gepaddelt hat. Wie schätzt Du Ihre Chancen und allgemein die Chancen deiner Kollegen ein?

Kollegen einzuschätzen ist immer ganz schwer, da man nicht wirklich genau weiß, wie sich die anderen vorbeireiten. Erst während der Saison wird deutlich, wer den Winter über seine Hausaufgaben gemacht hat.

Noelani hat mit ihrem Winteraufenthalt auf Gran Canaria jedenfalls schon mal sehr gute Trainingsvoraussetzungen. Ich gehe aber grundsätzlich davon aus, dass meine Gegner immer besser werden, damit ich nicht zu nachlässig trainiere (lacht).

Auf dem Niveau von Dir, Noelani oder auch Moritz Mauch sind ja nicht viele in Deutschland. Wie schätzt Du generell die Entwicklung des Stand Up Paddling in Deutschland ein?

Die Entwicklung verläuft langsam, aber mit großen Schritten. Wie wir Deutschen nun mal sind, stehen wir neuen Dingen etwas skeptisch gegenüber, wodurch es das SUP am Anfang nicht leicht hatte. Doch langsam haben es genügen ausprobiert, wodurch die Hemmschwelle der großen Masse langsam sinkt. Für die Zukunft denke ich, dass der Outdoor-Tourenbereich die meisten Anhänger finden wird. Die Race-Szene hingegen wird, glaube ich, nur langsam wachsen, aber auf jeden Fall von Jahr zu Jahr an Qualität zunehmen.

Was würdest Du einem jungen SUPler raten, wenn dieser den Traum hat, mal mit den Besten der Welt in der World Series zu fahren?

Er sollte sich auf jeden Fall immer sein großes Ziel vor Augen halten und alles dafür geben. Aber es braucht Zeit und viel Training, bevor man gut genug ist. Klar könnte man es direkt in der World Series versuchen, doch wer langfristig dabei sein will, sollte sich am Anfang nicht in etwas verrennen, sondern erst seine Hausaufgaben machen und die Messlatte langsam höher hängen. SUP ist ein Ausdauersport, und wenn man nicht vorher etwas Ähnliches gemacht hat, braucht man meist ein paar Jahre, um in Topform zu kommen.

Du hast ursprünglich mit dem Windsurfen angefangen und bist nach ein paar Jahren Segeln schließlich auch wieder dort angekommen. Was meinst Du, bleibst Du dem SUP treu oder sehen wir dich bald wieder auf einem Surfbrett?

Auf dem Windsurfbrett sieht man mich jetzt auch ab und an bei guten Bedingungen oder wenn ich meine Windsurfkumpels um mich habe. Ich glaube, wer einmal Windsurfer war, wird immer Windsurfer bleiben. Aber ich denke ich habe in Stand Up etwas gefunden, dem ich sehr lange treu bleibe.

Kai, dann wünsche ich Dir viel Glück für die kommende Saison und bedanke mich für dieses Gespräch