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26 Jun Interview mit Sonni Hönscheid

Hallo Sonni, wie geht’s?

Sehr gut, danke.

Der Mercedes-Benz SUP World Cup steht kurz bevor und du hast bereits zwei Tourstops der APP World Tour bestritten. Bist du mit deiner bisherigen Leistung zufrieden?

Alles in allem ja, wobei es natürlich immer Dinge gibt, die man verbessern kann. Da ich eher über meine Ausdauer komme und mich auch im Training häufiger darauf fokussiere, habe ich im Sprint noch Luft nach oben. Generell passt aber alles.

Du konntest bei der Gelegenheit auch deine Konkurrentinnen auf dem Wasser beobachten. Wer sind deiner Meinung nach die Favoritinnen?

Gerade in der Sprint Distance ist es schwer, jemanden als Favoriten hervorzuheben, da schon der kleinste Fehler über Sieg und Niederlage entscheidet. Sei es durch eine Welle oder beim umkurven einer Boje. Insgesamt sehe ich aber Candice Appleby, Terrene Black und Fiona Wylde ganz vorne.

Um bei den World Cups gut abzuschneiden, muss man auf den Punkt fit sein. Wie sieht dein Trainingsprogramm aus?

Bei einem so vollen Terminkalender, den vielen Reisen und Wettbewerben ist es schwer, einen genauen Trainingsplan zu verfolgen. Am wichtigsten ist, dass ich so häufig wie möglich auf dem Wasser bin. Sei es beispielsweise zum Intervalltraining, oder auch mal um zu entspannen.

„Mit der richtigen Technik kann man den ganzen Körper trainieren“

Würdest du Stand Up Paddling als optimales Fitnessprogramm bezeichnen?

Auf jeden Fall. Mit der richtigen Technik kann man den kompletten Körper trainieren. Die Arme, den Rumpf und die Beine. Dazu macht es auch noch eine Menge Spaß.

Als Laie würde ich sagen: „Ab auf‘s Board und los geht’s“. Doch wie wichtig ist die Technik?

Natürlich kommt man auch mit reiner Kraft voran. Doch diese kommt dann meistens nur aus den Armen. Mit der richtigen Technik nutzt man den ganzen Körper. Statt das Wasser nach hinten zu schieben, sollte man sich mit dem ganzen Körper nach vorne ziehen.  Eine gute Ausdauer ist natürlich auch wichtig. Im Winter gehe ich dafür viel Schwimmen, fahre Fahrrad oder gehen Joggen.

Anfang des Jahres wurde die Watermen League durch die APP World Tour ersetzt. Hat sich für die Fahrer dadurch etwas geändert?

Man merkt, dass sich die Organisatoren der APP World Tour von den anderen Eventserien abheben wollen und sie tun viel dafür, die besten Fahrer zu gewinnen. Das fängt schon bei der Höhe des Preisgeldes an. Es ist eine tolle Tour und ich bin gespannt, wohin die Reise geht.

In welcher Hinsicht?

Es wird aktuell viel zwischen den Verbänden kommuniziert und auch die ICF (International Canoe Federation*) engagiert sich. Dies erhöht die Chancen, dass das Stand Up Paddling olympisch wird. In Scharbeutz wird es dazu ja auch Gespräche geben. Ich denke dieses Jahr wird ein entscheidendes für die Zukunft des Stand Up Paddling.

Wäre eine Teilnahme an den Olympischen Spielen ein Traum von dir?

Auf jeden Fall! Für mich, aber auch für den Sport selber. Das würde das SUP nochmal richtig pushen. Gerade in Deutschland hat SUP noch nicht den Stellenwert, den es als Sportart verdient. Es wird eher als Hobby angesehen. In den USA sieht das ganz anders aus.

„Eine Teilnahme an den Olympischen Spielen wäre ein Traum“

Und SUP als olympische Disziplin würde diese Ansicht ändern?

Ich denke schon. Wichtig dabei ist jedoch auch, dass der besondere Lifestyle des Stand Up Paddling, der ein stückweit vom Surfen kommt, nicht verloren geht.

Der typische Lifestyle steht, neben der sportlichen Action, beim Mercedes-Benz SUP World Cup im Zentrum. Freust du dich auf das Event?

Ja, sehr. In den letzten Monaten war ich viel unterwegs. Da ist es schön, endlich mal wieder in der Heimat zu sein. Auch wenn Scharbeutz an der Ostsee und mein Geburtsort Sylt an der Nordsee liegt.

Du hast in deiner Karriere sehr viele World Cups erlebt. Wenn du sie vergleichst, wie schneidet der World Cup ab?

Die Events in Deutschlands gehören zu den Besten, bei denen ich teilgenommen habe. Sportlich, aber auch vom Rahmenprogramm her. Es ist außerdem super für den Sport, dass so viele große Marken als Sponsoren dabei sind. Wie beispielsweise Mercedes-Benz. Da hat Matthias (Neumann, Geschäftsführer der ausrichtenden Agentur ACT AGENCY GmbH) wirklich sehr gute Arbeit geleistet. Ein Event wie Scharbeutz ist wichtig für den Sport

Das hören wir natürlich gerne. Du hast gerade schon unseren Titelsponsor Mercedes-Benz angesprochen, der auch in diesem Jahr mit der Sportsgarage vor Ort sein wird. Sehen wir da wieder eine von dir künstlerisch verzierte V-Klasse?

Ja.

Wie bist du zur Kunst gekommen?

Ich bin da quasi Quereinsteigerin. Ich habe als Kind schon gerne gezeichnet und meinen Vater dabei unterstützt, seine Boards zu verzieren. Dazu kommt außerdem, dass ein Freund von mir wirklich detailreiche Skulpturen aus Strandgut anfertigt, was mich immer fasziniert hat. Beide Erfahrungen haben mich dazu inspiriert, zu malen.

Wie passen Sport und Kunst bei dir zusammen?

Für mich steht beides im perfekten Einklang. Während ich beim Sport immer 100% gebe und mit Vollgas ins Ziel will, kann ich beim Malen auch mal innehalten und relaxen. In der Kunst vereine ich alles, was ich auf meinen Reisen und bei den Wettbewerben erlebe. Eine Art Tagebuch sozusagen.

Eine etwas gemeine Frage. Wenn du dich zwischen der Kunst und dem Sport entscheiden müsstest. Worauf könntest du verzichten?

Das kann ich nicht beantworten. Bei mir ist das eine mittlerweile fest mit dem anderen Verbunden. Da kann ich mich nicht entscheiden.

Vielen Dank für das Interview und wir sehen uns in einer Woche in Scharbeutz.

*Die ICF ist der Dachverband aller nationalen Kanuverbände und außerdem Teil des Internationalen Olympischen Komitees. Ein Antrag auf die Aufnahme des Stand Up Paddling in das Olympische Programm wird von diesem Verband gestellt.